Ratgeber

Füllwörter abgewöhnen: die 7-Tage-Füllwort-Challenge

Tim Marco
Aktualisiert am 20.09.2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Tim Marco spricht lachend mit Mikrofon, ohne Füllwörter und mit klarer Stimme

„Ähm, also, ich würde eigentlich sagen, dass das vielleicht irgendwie funktionieren könnte.“

Liest sich anstrengend, oder? Genau so klingt es für andere, wenn wir sprechen. Nur merken wir es selbst kaum. Füllwörter sind so automatisch, dass sie uns nicht auffallen. Den Menschen, die uns zuhören, schon.

In diesem Ratgeber zeige ich dir, warum Füllwörter dich kleiner machen, als du bist, und wie du sie dir mit einer einfachen 7-Tage-Challenge abgewöhnst.

Warum Füllwörter dich kleiner machen

Füllwörter entstehen, wenn unser Kopf schneller Stille vermeiden will, als er formulieren kann. Wir haben Angst, dass eine Pause unsicher wirkt, und füllen sie deshalb mit Lauten und Wörtern. Das Paradoxe: Genau das wirkt unsicher.

Stell dir zwei Menschen vor, die denselben Vorschlag machen. Der eine sagt: „Ich glaube, das könnte vielleicht funktionieren.“ Der andere sagt: „Das funktioniert.“ Wem würdest du eher folgen?

Jedes Füllwort macht dich kleiner, als du bist. Nicht weil der Inhalt schlechter wird, sondern weil dein Gegenüber zwischen den Zeilen hört: Die Person ist sich selbst nicht sicher.

Die typischen Füllwörter und Weichmacher

Bevor du etwas veränderst, musst du wissen, wonach du suchst. Das sind die Wörter, die mir in Analysen am häufigsten begegnen:

  • Klassische Füllwörter: ähm, also, ja also, halt, so
  • Weichmacher: eigentlich, vielleicht, eventuell, irgendwie, so ein bisschen
  • Absicherungen: ich glaube, ich würde sagen, ich weiß nicht, ob …

Füllwörter füllen Denkpausen. Weichmacher schwächen den Inhalt ab. Beide haben denselben Effekt: Deine Wirkung passt nicht mehr zu dem, was du eigentlich draufhast.

Schritt 1: Wort-Check per Transkript

Du kannst nur verändern, was du siehst. Und Füllwörter hörst du beim Sprechen nicht. Deshalb startet die Challenge mit einem Wort-Check:

  1. Nimm ein Video von dir auf, in dem du 5 Minuten frei sprichst. Das Handy reicht völlig. Wichtig ist die First-Try-Regel: Nicht abbrechen, nicht neu starten, nicht verstellen.
  2. Lass dir ein Transkript erstellen. Viele Smartphones und Videotools können das automatisch.
  3. Geh das Transkript durch und markiere jedes Füllwort und jeden Weichmacher.

Das kann unangenehm sein. Die meisten sind überrascht, wie oft sie dasselbe Wort benutzen. Aber genau dieser Moment ist wertvoll: Zum ersten Mal siehst du schwarz auf weiß, was andere die ganze Zeit hören.

Wie du dein Video noch auf weiteren Ebenen auswertest, liest du im Ratgeber Wie wirke ich auf andere?

Schritt 2: Dein Top-Füllwort

Zähl die Markierungen. Welches Wort taucht am häufigsten auf? Das ist dein Top-Füllwort.

Der Fehler, den fast alle machen: Sie wollen alle Füllwörter auf einmal loswerden. Das funktioniert nicht. Dein Kopf ist beim Sprechen mit Inhalt beschäftigt, er kann nicht gleichzeitig zehn Wörter überwachen.

Deshalb gilt: Ein Wort. Eine Woche. Konzentriere dich ausschließlich auf dein Top-Füllwort. Alles andere darf vorerst bleiben.

Schritt 3: Die Pause als Ersatz

Ein Füllwort einfach wegzulassen, reicht nicht. Die Lücke will gefüllt werden. Die Lösung ist eine bewusste Pause.

So geht’s:

  • Merkst du, dass dein Füllwort kommt, schließ kurz den Mund.
  • Atme ein, ruhig und unauffällig.
  • Sprich dann weiter.

Das dauert oft nicht einmal eine Sekunde. Für dich fühlt sich diese Stille lang an. Für die anderen wirkt sie souverän. Pausen sind deine geheime Waffe. Sie geben deinen Worten Gewicht und zeigen, dass du dir sicher bist, dass man dir zuhört.

Die 7-Tage-Challenge

Jetzt wird es konkret. So sieht deine Woche aus:

  1. Tag 1: Wort-Check. Nimm dein 5-Minuten-Video auf, erstell das Transkript und finde dein Top-Füllwort.
  2. Tag 2: Beobachten. Achte in jedem Gespräch darauf, wann dein Top-Füllwort kommt. Noch nichts verändern, nur bemerken.
  3. Tag 3: Erste Pausen. Ersetze dein Füllwort in einem wichtigen Gespräch bewusst durch eine Pause.
  4. Tag 4: Meeting-Fokus. Setze die Pause in jedem Meeting ein, besonders bei deinem ersten Beitrag.
  5. Tag 5: Telefon und Video-Calls. Hier fallen Füllwörter besonders auf, weil die Körpersprache fehlt.
  6. Tag 6: Weichmacher-Check. Achte zusätzlich darauf, wie oft du „vielleicht“ oder „ich glaube“ vor eine Aussage stellst.
  7. Tag 7: Neues Kurzvideo. Sprich 2 Minuten frei über dasselbe Thema wie an Tag 1 und vergleiche.

Hak jeden Tag ab. Es geht nicht darum, dass kein einziges Füllwort mehr vorkommt. Es geht darum, dass du es bemerkst und immer öfter die Pause wählst.

Tipp: Erzähl einer Person, der du vertraust, von deiner Challenge. Bitte sie, dir nach einem Meeting kurz zu sagen, wie oft sie dein Top-Füllwort gehört hat. Ehrliches Feedback von außen beschleunigt alles.

Die 4 häufigsten Fehler bei der Challenge

Die Füllwort-Challenge ist einfach. Trotzdem scheitern viele in den ersten Tagen an denselben Stellen:

  1. Zu viel auf einmal. Wer alle Füllwörter gleichzeitig streichen will, denkt beim Sprechen nur noch an Wörter und verliert den Faden. Bleib bei deinem Top-Füllwort.
  2. Sich selbst unterbrechen. Rutscht dir das Wort raus, korrigier dich nicht mitten im Satz. Sprich einfach weiter. Die nächste Pause kommt bestimmt.
  3. Nur in „leichten“ Situationen üben. Im Gespräch mit Freunden fällt es leicht. Die Wirkung entsteht aber dort, wo es zählt: im Meeting, im Kundengespräch, in der Präsentation.
  4. Kein Vergleich am Ende. Ohne zweites Video fehlt dir der Beweis, dass sich etwas verändert hat. Und genau dieser Beweis motiviert dich, dranzubleiben.

Füllwörter am Telefon und im Video-Call

Am Telefon und in Online-Meetings fallen Füllwörter noch stärker auf als im Raum. Dein Gegenüber sieht deine Körpersprache nicht oder nur klein im Bildausschnitt. Die Stimme und die Worte tragen fast die ganze Wirkung.

Zwei Dinge helfen hier besonders:

  • Notiere dir vor dem Call deine Kernaussage in einem Satz. Wer weiß, wo er hinwill, braucht weniger Füllwörter auf dem Weg.
  • Nutze die Stummschalt-Pause. Wenn du nicht sofort antworten musst, gib dir einen Atemzug Zeit. Online wirkt eine kurze Stille ruhiger als ein hastiges „Ähm, also, ja“.

Weichmacher streichen: „Das funktioniert.“

Wenn dein Top-Füllwort weniger wird, nimm dir die Weichmacher vor. Sie sind die leisen Saboteure deiner Wirkung, weil sie höflich klingen und deshalb kaum auffallen.

Eine einfache Übung: Formuliere Sätze aus deinem Alltag einmal mit und einmal ohne Weichmacher.

  • „Ich glaube, das könnte vielleicht funktionieren.“ wird zu „Das funktioniert.“
  • „Ich würde eventuell vorschlagen, dass wir das nochmal anschauen.“ wird zu „Ich schlage vor, dass wir das nochmal anschauen.“
  • „Das ist irgendwie so ein bisschen schwierig.“ wird zu „Das ist schwierig. Und zwar aus diesem Grund.“

Spür den Unterschied. Du sagst dasselbe, aber du stehst dahinter.

Und keine Sorge: Klar sprechen heißt nicht arrogant sprechen. Du kannst weiterhin Fragen stellen, Unsicherheit benennen und andere einbeziehen. Nur eben bewusst, nicht aus Gewohnheit.

Wie es nach der Woche weitergeht

Nach 7 Tagen hast du dein Top-Füllwort nicht für immer gelöscht. Aber du hast etwas viel Wichtigeres geschafft: Du bemerkst es. Und was du bemerkst, kannst du verändern.

Nimm dir danach das nächste Füllwort vor. Oder kombiniere die Challenge mit anderen Bausteinen: Kernaussage zuerst, Blickkontakt, Stimme.

Füllwörter sind übrigens nur eine von drei Ebenen deiner Wirkung. In der Kommunikationsanalyse schaue ich mir neben der Sprache auch deine Körpersprache und deine Stimme an und zeige dir, welche 3 Hebel bei dir den größten Unterschied machen. Wie du das Gelernte direkt im nächsten Meeting einsetzt, liest du im Ratgeber Im Meeting gehört werden.

Video zum Thema

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So wirst du deine „Ähm“ und „Ähs“ los.

Häufige Fragen

Sind Füllwörter immer schlecht?

Nein. Im lockeren Gespräch unter Freunden fällt ein „halt“ kaum auf. Problematisch werden Füllwörter und Weichmacher dort, wo es auf Wirkung ankommt: im Meeting, in der Präsentation, im Kundengespräch. Dort machen sie deine Aussage kleiner, als sie ist.

Was ist der Unterschied zwischen Füllwörtern und Weichmachern?

Füllwörter wie „ähm“ oder „also“ füllen Denkpausen. Weichmacher wie „vielleicht“, „eventuell“ oder „ich glaube“ schwächen den Inhalt ab. Beide lassen dich unsicherer wirken, als du bist. Weichmacher sind oft das größere Problem, weil sie weniger auffallen.

Wie lange dauert es, sich Füllwörter abzugewöhnen?

Nach einer Woche bewusster Übung merken viele schon, dass sie ihr Top-Füllwort seltener benutzen. Damit es zur neuen Gewohnheit wird, lohnt es sich, danach das nächste Füllwort anzugehen und nach etwa 30 Tagen ein neues Video aufzunehmen.

Was mache ich, wenn mir mitten im Satz ein Füllwort rausrutscht?

Nichts. Nicht korrigieren, nicht entschuldigen. Einfach weitersprechen und beim nächsten Mal die Pause setzen. Die Challenge funktioniert über Wiederholung, nicht über Perfektion.

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